Der Zucker ist schuld

Schmerzen sind großer Mist. Erschöpfung, mich kaputt, defekt, marode und so scharfsinnig wie ein besoffenes Pantoffeltierchen zu fühlen: auch. Da der Brief von Hogwarts, der mir ermöglichen würde zu lernen, den ganzen Mist wegzuzaubern, wohl doch nicht kommt, hab ich andere Mittel und Wege gesucht, eine möglichst breitflächige Wunderheilung herbeizuführen. Diverse Sternschnuppen- und Münzen-in-Brunnen-Werf-Wünsche blieben leider ergebnislos.

Letzte Hoffnung: Wissenschaft. Ich habe viel recherchiert, für mich ungewöhnlich schlaue Dinge gelesen und auch noch Notizen gemacht. Schließlich habe ich etwas gefunden, das Mitschuld an fast all meinen Leiden haben könnte. The Winner is: Zucker!

Hier eine Auflistung der Leiden, die mich dazu getrieben haben, ein Jahr auf Zucker verzichten zu wollen. Wobei „wollen“ ein sehr relativer Begriff ist, für eine, deren Grundnahrungsmittel Schokolade ist. Ich bin Zuckerjunkie, süchtig nach Süßkram – und das ist gar nicht so lustig, wie es klingt.

Ich werde regelmäßig in meine Leidensliste schreiben, wie es sich entwickelt hat, ob sich etwas verschlechtert, gar nichts tut oder vielleicht sogar die gewünschte Wunderheilung eintritt.

Meine körperlichen Leiden, die ich mit Zuckerverzicht besiegen will

Erkältungen/Infekte

Ständig bin ich erkältet. Eine laufende Nase und leicht schmerzenden Hals habe ich fast immer und alle paar Wochen schlägt es um in eine heftige Erkältung. Braucht kein Mensch. Da Entzündungen und Infektionen Zucker mögen, habe ich beschlossen, ihn nicht mehr zu mögen.

  • Nach einem Monat: Ab und zu ein Kratzen im Hals und eine leicht rotzige Nase, sonst nix.

Lippenherpes

Ich habe nicht ständig Herpes, aber schon ein paar Mal im Jahr – und ich hasse es. Es tut nicht nur weh, ist superansteckend, es zieht mich auch psychisch immer ordentlich runter. Da Herpes wohl gerne Zucker isst, will ich jetzt keinen mehr essen. Geh weg Herpes, dich mag keiner.

  • Nach einem Monat: noch kein Herpes
  • Nach zwei Monaten: noch kein Herpes

Chronische Sehnenentzündung in der Schulter

Seit gut zehn Jahren plage ich mich damit rum. Physio, Spritzen, Massagen. Hat alles entweder nur kurz oder gar nicht geholfen. Da Zucker Entzündungen anfeuern soll, hoffe ich, dass ich durch Zuckerentzug und Übungen endlich den lästigen Alltagsschmerz loswerde.

  • Erster Monat: unverändert.
  • Zweiter Monat: unverändert

Sodbrennen

Ich habe ständig Sodbrennen. Wirklich jeden Tag, besonders abends. Ja, ist mir auch klar, dass ich durch Ernährungsumstellung hier vermutlich viel bewirken kann. Habe es bisher einfach nie hinbekommen. Mache mir also große Hoffnungen.

  • Erster Monat: Bisher nur ein Mal Sodbrennen. Yeeeha! So großartig! Ich tanze grade auf meinem Stuhl Samba, während ich das hier tippe. So befreiend.
  • Zweiter Monat: Weiterhin super. Habe ab und an leichtes Sodbrennen. Ist aber kein Vergleich zu vorher und immer nachvollziehbar, woher es kommt.

Oberbauchschmerzen

Ich habe immer wieder, also mehrfach im Jahr, heftige Oberbauchschmerzen. Mal ist es eine Gastritis, mal ist die Galle gereizt, mal ist nicht klar, was genau das Problem ist. Aber es tut höllisch weh und ich hab da keinen Bock mehr drauf. Auch hier habe ich große Hoffnungen, dass der Zuckerverzicht viel verbessern kann.

  • Erster Monat: Noch keine Oberbauchschmerzen.
  • Zweiter Monat: Keine Schmerzen.

Schmerzen im Leistenbereich

Wenn ich raten müsste, was es ist, würde ich sagen, mein Darm zwickt, denn so fühlt es sich an. Seit einigen Jahren habe ich im rechten Leistenbereich immer wieder ein Zwicken. Mal ständig, dann ein paar Wochen gar nicht, Mal leicht piksend mal heftig stechend. Mal sehen, ob es ohne Zucker auch noch zwickt.

  • Erster Monat: Noch kein Zwicken.
  • Zweiter Monat: Noch kein Zwicken.

Verdauungsprobleme

Verstopfung, Durchfall, Blähungen – you name it, I’ve got it. Verdauungsprobleme sind für mich schon Normalzustand, weshalb ich ungern irgendwo bin, wo ich nicht in drei Minuten auf einer sauberen Toilette sein kann. Sau unpraktisch. Besonders im Sommer: Stichwort: Badesee. Da muss der Zuckerverzicht eigentlich helfen können.

  • Erster Monat: Die ersten Tage spielte meine Verdauung besonders verrückt, aber dann legte es sich etwas. Ich pupse deutlich weniger und es stinkt auch nicht so übel nach Kohlfermetierungsfabrik. Und ich habe keinen Blähbauch mehr.
  • Zweiter Monat: Blähprobleme habe ich nur noch, wenn ich zu viel Kuhmilch trinken.

Trüber, süßlicher Urin

Seit der ersten Schwangerschaft ist mein Pipi oft trübe und riecht manchmal schon wie Apfelsaft. Ich habe ihn immer wieder testen lassen, es wurde nichts gefunden. Aber da kann doch was nicht stimmen. Wäre froh, wenn der Zuckerverzicht das normalisiert.

  • Erster Monat: Unverändert.
  • Zweiter Monat: Unverändert. Ich trinke aber aktuell auch vielneu wenig.

Schmerzende, kribbelnde Füße beim Aufstehen

Noch so ein Schwangerschaftssouvenier. Oft wenn ich aufstehe, kribbeln und schmerzen meine Füße leicht. Keine Ahnung, ob Zuckerverzicht hier etwas bringen kann, aber einen Versuch ist es wert.

  • Erster Monat: Unverändert.
  • Zweiter Monat: Ist deutlich seltener geworden.

Schlafstörungen

Seit ich mich erinnern kann, habe ich wenig geschlafen. Ich bin ganz gut damit zurechtgekommen, bis ich starke Probleme mit dem Einschlafen bekam. Und mit dem Durchschlafen. Und mit dem wieder einschlafen. 3 Uhr morgens kann eine grausame Uhrzeit sein, wenn man nicht grade vom Club kommt.

Ich hasse alles daran: Die Frustration, das Gedankenkarussel in dem nachts alles viel schlimmer wirkt, als es tatsächlich ist und, dass es mir so viel Energie raubt. Da es einige Studien gibt, die zeigen, dass Zucker Schlafstörer ist, hoffe ich, dass ich in Zukunft mehr Ruhe bekomme.

  • Erster Monat: Ich schlafe nur minimal mehr, aber deutlich tiefer und wenn ich wach liege springt das Gedankenkarussel nicht mehr jedes Mal an.
  • Zweiter Monat: Wie im ersten Monat.

Gewicht

Die meiste Zeit meines Erwachsenenlebens war/bin ich normalgewichtig – meist an der Grenze zu Übergewicht kratzend.

Auch wenn meine Körperselbstwahrnehmung mich oft runter gezogen hat, hat es mich doch nur selten so stark beeinflusst, dass ich echten Handlungsbedarf sah. Wenn ich eine schlankere Linie wollte, war Sport mein Freund.

Ich habe zwar die Theorie, dass ich ohne Zucker ratz fetz abnehmen würde, aber das war nie Motivation genug für mich, meine Ernährung radikal umzustellen. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt und ob mein Gefühl stimmt.

  • Erster Monat: – 3 kg
  • Zweiter Monat – 6,5 kg (insgesamt) Mein Bauch wird flacher – das ist neu.

Meine psychischen Leiden, die ich mit Zuckerverzicht besiegen will

Konzentrationsschwierigkeiten

Schon als Kind hatte ich große Schwierigkeiten, mich nur einer Aktivität zu widmen. In meiner Familie gibt es einige ADHS Fälle. Ich wollte mich schon lange testen lassen, aber die langen Wartezeiten der Spezialisten haben mich abgeschreckt.

Und so sehr es auch nervt, oft nur zwei Minuten Fokus für etwas zu haben, ich komme durch. Außerdem gibt diese wunderbaren Inseln, in denen mein Fokus ganz klar ist und ich stundenlang nur auf eine Sache konzentriert bin. Aber noch mehr als die innere Unruhe nervt es mich, wenn mein Gehirn keinen Fokus fassen will. Dann lese ich einen Satz, und wieder, und wieder, und der Inhalt will einfach nicht bei mir ankommen.Tja, Zucker steht im Verdacht uns, plump gesagt, dumm und vergesslich zu machen.

  • Erster Monat: Entweder, ich bin gerade besonders motiviert oder meine Konzentrationsfähigkeit verbessert sich wirklich. Ich bin sehr viel geistig produktiver als noch vor ein paar Wochen.
  • Zweiter Monat: Ich und meine Familie waren viel krank. Das hat meine Produktivität deutlich gemindert. Langsam wird es aber wieder besser. Und dafür, dass ich so feddich bin, ist es tatsächlich gar nicht so schlecht.

Angst

Viele, die mich kennen würden es nicht glauben, aber ich bin ziemlich ängstlich. Ich habe keine Angst davor, vor 100 Menschen eine Präsentation zu halten, aber in eine Gruppe von wenigen Menschen zu kommen, allen die Hand zu geben, mich vorzustellen. Nein danke, ich bleibe lieber zu Hause, schaue Netflix und arbeite an der nächsten Präsentation.

Das ist nur ein klitzekleines, recht harmloses Beispiel. All meine Ängste hier aufzuschreiben würde den Text sprengen und wäre außerdem grade zu anstrengend für mich. Belassen wir es dabei, dass ich die übermäßige Angst loswerden will. Da Zucker unter Verdacht steht, Angstgefühle zu verstärken: Weg damit!

  • Erster Monat: Ich habe noch meine Ängste, besonders wenn ich erschöpft bin. Aber, ich hatte einen kleinen Durchbruch. Ich habe eine Situation gemeistert, die mich zuvor Wochen lang gelähmt hätte.
  • Zweiter Monat: Weniger Ängste und weniger stark ausgeprägt. Bin seltener durch Situationen gelähmt.

Depressive Verstimmungen

Manche Tage fühlen sich für mich wie Dementoren an. „… sie saugen Frieden, Hoffnung und Glück aus jedem Menschen … “ (J.K. Rowling). Ich habe Glück, dass ich solche Tage nur ab und zu erlebe. Manchmal nur einen und manchmal ein paar Tage hintereinander, aber ich habe gelernt, dass es für mich immer irgendwann besser wird.

Nachdem ich viele Artikel und Forschungsergebnisse über die möglichen Auswirkungen von Zucker auf das Gehirn gelesen habe, ist dies eine der Erkenntnisse, die mich mit am meisten dazu bringt, auf Zucker verzichten zu wollen. Ich hasse die Tage, an denen ich kaum die Kraft finde, aus dem Bett zu kommen.

Es ist härter, seit meine Kinder geboren wurden. Ich fühle mich so schuldig, dass ich nicht so funktionieren, wie sie es verdienen, und das macht es natürlich noch schlimmer. Es ist ein verdammter Teufelskreis. Ich hoffe wirklich, dass die extreme Einschränkung des Zuckerkonsums helfen kann. (Ja, ich habe auch andere Hilfe)

  • Erster Monat: Ich hatte einen dunklen Tag in diesem Monat. Ich habe nichts Süßes gegessen. Und nächsten Tag war der Spuk vorbei.

Zweiter Monat: Ich hatte am Ende des zweiten Monats eine recht intensive Phase der Hoffnungs- und Kraftlosigkeit ging fast zwei Wochen. Inzwischen ist es deutlich besser.

Ob es mit Zucker schlimmer gewesen wäre, weiß ich nicht. Aber keinen Zucker zu essen, hat auf jeden Fall einen Stressfaktor beseitigt. Also einen Grund, weshalb ich mich sonst gerne zusätzlich selbst fertig mache.

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